Der Einsatz digital souveräner Lösungen steht bei Schweizer Unternehmen zwar oben auf der Agenda. Das Vorhaben bleibt aber vielerorts in der Theorie stecken, heisst es in einer Umfrage der Hochschule Luzern und des IT-Dienstleisters Ti&m. 73% der 200 befragten Organisationen halten das Thema für wichtig. Von ihnen haben aber nur 36% eine Strategie für digitale Souveränität formuliert und nur 32% Exit-Strategien für zumindest einige kritische Services.
Gleichzeitigt stuft die Mehrheit der Befragten die Abhängigkeit von grossen IT-Anbietern als hoch ein. Arbeitsplatzlösungen sind mit 72% die grösste Abhängigkeit und mit 51% der grösste Preistreiber. Allerdings unternehmen die Organisationen auch zu wenig, um sich aus der Abhängigkeit zu befreien. Denn nur ein Bruchteil verfüge über regelmässige Provider-Audits oder dokumentierte Exit-Optionen, heisst es in der Umfrage. Nicht einmal negative Erfahrungen würden helfen; von Vorfällen betroffene Unternehmen seien bei Strategie und Exit-Plänen nicht wesentlich besser aufgestellt als jene ohne.
Abhängigkeit führt zu Mehrkosten
Der Wunsch nach Kontrolle von sensiblen Daten identifiziert die Umfrage als wichtigstes Ziel der Souveränitätsbemühungen. Allerdings zeigt sich auch, dass ein Kontrollverlust nur selten tatsächlich eintritt. Deutlich häufiger würden Unternehmen einseitige Preisdiktate und Preiserhöhungen treffen, die sich wegen der Abhängigkeit nicht abwenden lassen.
Den Autorinnen und Autoren zufolge wird digitale Souveränität primär als Datenschutz- und Regulierungsthema behandelt. In der Praxis wirke sich die fehlende Souveränität aber vor allem auf die Kosten aus.
"Die meisten Unternehmen wissen, dass sie abhängig sind. Aber nur die Hälfte prüft dies strukturiert. Wer seine Abhängigkeiten nicht misst, kann weder das Risiko beziffern noch entscheiden, wo sich eine Investition lohnt", kommentiert Ti&m-CEO Thomas Wüst die Resultate.